10 L oder 20 L: Welche Argonflasche ist die richtige?

Veröffentlicht am: 04.09.2018 11:06:45
Kategorien: Schweißen / Metallverarbeitung , Technische Gase


Die richtige Größe der Argonflasche zu bestimmen, kann herausfordernd sein. Ist diese zu klein, musst du dich schnell wieder um eine Nachfüllung des benötigten Gases kümmern. Ist diese zu groß, hast du mehr Geld ausgegeben als du musstest und hast das Gas in deiner Werkstatt ungenutzt rumstehen.

Im folgenden Artikel zeige ich dir wie du den tatsächlichen Verbrauch deiner Argonflasche bestimmen kannst, was du im Umgang mit den Gasflaschen beachten musst, um Kosten zu sparen und welche Vor- und Nachteile 10 oder 20 Liter Schutzgasflaschen mit sich bringen.


Wie hoch ist der Verbrauch meiner Argonflasche beim Schweißen?

Um den Verbrauch deiner Argonflasche zu ermitteln, brauchst du lediglich einer einfachen Rechnung zu folgen. Doch zuvor klären wir erstmal das Drucksystem deiner Gasflasche.

In diesem Beispiel gehe ich von einer 10 Liter Argonflasche mit einem Standard-Fülldruck von 200 bar aus. Ein weiterer wichtiger Teil des Systems ist der Druckminderer. Auf der linken Seite zeigt dir das Gerät den Inhalt deiner Gasflasche an, d.h. wieviel Druck noch in der Flasche ist. Rechts auf dem Gerät findest du die Entnahmemenge in Liter pro Minute.

So prüfst du den Verbrauch

Stelle den Druckminderer auf 10 Liter die Minute ein. Das bedeutet pro Minute entweichen 10 Liter aus der Flasche.

Das Volumen in der Flasche ist 200 bar x 10 Liter. Laut diesen Annahmen reicht eine Schutzgasflasche mit Argon oder anderen Gasgemischen bei idealen Verhältnissen für 200 Minuten aus.

Doch ideale Verhältnisse sind utopisch, da du stets auch mit Verlusten rechnen musst. So zum Beispiel, wenn die Leitung nicht ganz dicht ist, doch wann passiert das?

Stell dir vor, du öffnest die Flasche, arbeitest de facto nur einige Minuten und lässt die Gasflasche anschließend über Stunden offen stehen. So entstehen einige Verluste, die du bei deiner Verbrauchsrechnung einkalkulieren solltest.

Um diese Verluste so gering wie möglich zu halten, solltest du stets einen Gas-Test machen.

Warum lohnt sich ein Gas-Test?

Zum einen sparst du Kosten für das doch teure Gas und du sparst ebenfalls wertvolle Zeit für unnötige Nachfüllungen. Zum anderen verhindert ein dichtes System das Eindringen von Sauerstoff in den Schweißprozess. Denn durch die sogenannte Sogwirkung beim Schweißen passiert das Gegenteil von dem was der Schweißer eigentlich erreichen will. Es tritt nicht Schutzgas aus, sondern Sauerstoff gelangt hinein und gefährdet das Schweißgut bzw. das Schweißergebnis.

Vor allem beim Schweißen mit Schutzgasen, willst du dein Schweißgut vor der sauerstoffreichen Atmosphäre schützen. Doch gelangt Sauerstoff in die Flasche, gefährdest du die Qualität deiner Schweißraupe und es entstehen womöglich Poren.

Tipp: Wenn du in einem Betrieb arbeitest, indem die Gasflasche viel Umlauf genießt, dann lohnt sich eventuell ein Magnetventil zwischen Schlauch und Druckminderer. Nach Feierabend dann nur noch den “Not-Aus” Knopf betätigen und die Flasche ist versiegelt.

Hast du keinen Not-Aus Knopf zur Verfügung, so könntest du das Ventil samt Schweißgerät über eine Steckdosenleiste bedienen.

Teste ebenfalls ausreichend die Einstellungen am Druckminderer, damit das Schweißergebnis möglichst genau ist.


Wie erkenne ich ob mein System dicht ist?

Zuallererst: es geht nicht um die Gasflasche per se, sondern um das System: Gasflasche - Druckminderer - Schlauch - Schweißgerät.

Und so kannst du das am einfachsten beispielsweise an einer Argonflasche 4.6 testen:

  1. Überlege dir welche Einstellungen beim Druckminderer für dein Schweißergebnis nötig sind und stelle sie ein. Beispielsweise 10 Liter pro Minute, wie im oben erwähnt.

  2. Drehe die Flasche auf. Links kannst du beobachten wie viel Druck in bar noch in der Flasche ist. Rechts siehst du die von dir eingestellte Entnahmemenge.

  3. Drehe nun die Flasche wieder zu und beobachte den Druckminderer. Der eingestellte Druck muss eine gewisse Zeit halten. Das heißt im Idealfall passiert erstmal nichts.

  4. Nach einiger Zeit lässt der Druck nach. Das ist normal, denn der Druck ist eine Belastung für das gesamte System. Jetzt kontrollierst du die Schrauben, die locker geworden sind und ziehst sie nochmal nach, falls das nötig ist.

  5. Es kann natürlich sein, dass es nicht an den Schrauben liegt oder am Schlauch, sondern das System an sich beschädigt ist. Hier kann dir ein Leckspray dabei helfen die Dichtheit zu prüfen.

  6. Besprühe das gesamte System damit und beobachte, ob sich irgendwo Bläschen bilden. Dort ist dann der undichte Übeltäter. Im schlimmsten Fall musst du dir einen neuen Druckminderer bestellen.  


10 oder 20 Liter - Welche Argonflasche soll ich kaufen?

Ob Argon 4.6, Mix 18 oder ein anderes Schutzgas, die Größe der Flasche spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein unterbrochener Arbeitsfluss, weil die Gasflasche leer ist, ist mehr als ärgerlich. Doch auch zu viel Gas über zu haben, das nicht wegkommt, ist nicht optimal.

Wieviel Gas du brauchst, ist abhängig von folgenden Faktoren:

  • Dem Schweißvolumen

  • Dem Ort des Schweißens

  • Dem Schweißmaterial

  • Und von der benötigten Mobilität beim Schweißen

Überschlage zunächst welche Schweißarbeiten auf dem Plan stehen und gehe die oben beschriebene Rechnung durch.

Welche Räumlichkeiten hast du für deine Schweißarbeit zur Verfügung? Schweißt du im Freien, dann solltest du mit größeren Verlusten des Schutzgases rechnen. In einer windgeschützten Werkstatt dagegen, wird dein Gasverbrauch geringer ausfallen.

Natürlich musst du in deinen Entscheidungsprozess auch das Material einbeziehen, das du verschweißen willst. Manche Schweißgüter lassen sich besser zusammenführen als andere und benötigen dementsprechend weniger Schutzgas.

Gasdurchflussmenge beim MAG- und MIG-Schweißen (Metall-Inertgas-Schweißen):
Faustformel: Drahtdurchmesser [mm] x 10 = Verbrauch in l/min
Faustformel für Aluminium: Drahtdurchmesser [mm] x 15 = Verbrauch in l/min

Und zu guter letzt solltest du den Faktor der Mobilität bedenken. Must du womöglich deinen Einsatzort wechseln oder die Lage der Flasche? Dann solltest du dir eine nicht allzu schwere Gasflasche anschaffen.

Sowohl die 10 Liter Schutzgasflasche als auch 20 Liter haben ihre Vor- und Nachteile. Im folgenden findest du die wichtigsten Eigenschaften der jeweiligen Flaschen, die dir bei deiner Kaufentscheidung helfen.

-> Vorteile einer 10 Liter Gasflasche

Eine 10 Liter Argonflasche oder auch andere Mischgase haben meist einen Außendurchmesser von 14 cm und der Inhalt beträgt 2,1 m³ bei einem Fülldruck von 200 bar.

Mit einer Höhe von 93 cm und einem Gewicht von im Durchschnitt 19 kg erreichen sie ein Mittelgewicht unter den Gasflaschen.

Eine 10 Liter Argonflasche bietet eine ausreichende Menge Gas und ist nicht allzu sperrig, sodass du in der Mobilität beim Schweißen nicht wesentlich eingeschränkt bist.

-> Vorteile einer 20 Liter Gasflasche

In eine 20 Liter Argonflasche passt, wie erwartet, der doppelte Inhalt der 10 Liter Flasche. So beträgt dieser 4,3 m³ bei einem Fülldruck von 200 bar. Die Flasche ist mit einem Meter Höhe nicht wesentlich größer als die 10 Liter Argon und hat einen Außendurchmesser von 20 cm.

Mit stolzen 31 kg Gewicht ist die 20 Liter Argonflasche ein ganz schönes Schwergewicht unter den Gasflaschen. Das schränkt die Mobilität beim Schweißen wesentlich ein.

Doch dafür ist das Preis-Leistungs-Verhältnis zur 10 Liter Flasche wesentlich besser.  

Nicht nur in der Anschaffung ist die 20 Liter Gasflasche ein Killer, sondern auch im Preis für die Folgefüllungen, die deutlich günstiger sind.

Produktvideo/Slideshow:

Fazit

Ob deine Gasflasche 10 oder 20 Liter aufweist, muss wohl überlegt sein. Berechne deinen erwarteten Verbrauch nach dem oberen Rechnungsmuster und beachte Faktoren wie Mobilität, Schweißort und -material. Prüfe regelmäßig, ob deine Gasflasche dicht ist, um unnötige Kosten zu sparen und suche dir zuverlässige Gase-Partner, die dich mit deinem Gasnachschub schnell und unkompliziert versorgen.

Über die Autorin

Inara Muradowa, SEO-Experte, Corporate Blogger, Shopify Partner - inara schreibt

Inara Muradowa ist SEO-Expertin und Corporate Blogger. Neben technischer Suchmaschinenoptimierung und SEO-Beratung steht sie Unternehmen mit Konzeption und Verfassen von professionellen Blogposts tatkräftig zur Seite.